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Stromverbrauch einer 28 Jahre alten Gefriertruhe berechnen
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Eine sichere, und über grössere Messfehler erhabene Methode, erfordert lediglich eine Stoppuhr, den Zugang zum Zähler, und -ironischerweise- ein billigesDrehstromzähler Energiemessgerät (von dem lediglich die Zeitmesseigenschaft genutzt wird). Empfehlung: Bas Billigste kaufen.
Das Messprinzip besteht in der Messung der Zeit, die die Zählerscheibe für eine bestimmte Anzahl Umdrehungen benötigt. Das Ergebnis lässt sich unmittelbar umrechnen in Watt, Kilowatt, oder kWh/ Jahr. Häusliche Stromzähler unterscheiden sich in der Anzahl Umdrehungen / kWh. Diese Information ist auf den Zählern aber deutlich vermerkt. Gängige Werte sind 75 und 300. In diesem Fall sind es 75.
Solche Messungen führt man am besten an einem ruhigen Vormittag durch, wenn sich das Haus "beruhigt" hat, sich also keine grösseren Verbraucher ein- oder ausschalten.
Man geht folgendermassen vor:

  1. Warten, bis die Gefriertruhe einschaltet, dann am Zähler den nächsten Nulldurchgang der Drehscheibe abwarten (rote Markierung auf der Scheibe), dann die Zeit stoppen. Hier waren es 5 Umdrehungen, die insgesamt 27 Minuten und 6 Sekunden gedauert haben. Die Zeitdauern (in Sekunden) für die einzelnen Umdrehungen ergaben sich zu
    • 333, 331, 351, 320 und 291.
    • Die Unterschiede zwischen diesen 5 Werten sind ein Mass für die Ungenauigkeit des Verfahrens an sich.
      • Die Ungenauigkeit besteht darin, dass es selbst in Ruhezeiten Verbraucher gibt, die sich von Zeit zu Zeit einschalten. Der Kühlschrank in der Küche ist das naheliegendste Beispiel. In diesem Fall kommen noch zahlreiche, im Haus verteilte  Ladegeräte hinzu, sowie weitere Geräte in Garten und Hühnerstall, die sich von Zeit zu Zeit einschalten.
    • Diese Messung beinhaltet alle aktiven Verbraucher im Haus inclusive der Gefriertruhe.
  2. Warten, bis die Gefriertruhe ausschaltet, dann weiter wie unter 1. beschrieben. Hier waren es 3 Umdrehungen, die insgesamt 29 Minuten und 42 Sekunden gedauert haben. Die Zeitdauern (in Sekunden) für die einzelnen Umdrehungen ergaben sich zu
    • 508, 638 und 636.
    • Auch hier sind die Unterschiede zwischen den 3 Werten wieder ein Mass für die Ungenauigkeit des Verfahrens an sich.
    • Diese Messung beinhaltet alle aktiven Verbraucher im Haus ohne die Gefriertruhe.
  3. Warten bis die Gefriertruhe ausschaltet, dann das billige Energiemessgerät zwischen Steckdose und Gefriertruhe schalten. Dieses Messgerät wird lediglich als Stoppuhr über einen längeren Zeitraum verwendet.
    • Je länger man jetzt misst, desto genauer wird das Ergebnis. Empfehlung: Wenigstens 2 Tage lang messen.
      • Wenn am Standort der Gefriertruhe sommers und winters sehr unterschiedliche Temperaturen herrschen (in diesem Fall beträgt der Unterschied etwa 10°C), braucht man einen Korrekturfaktor (wird weiter unten behandelt).
    • Im konkreten Fall ergab sich, dass die Gefriertruhe während 54 Stunden 17,46 Stunden gelaufen ist. Voltcraft Energy Check 3000
    • Wir runden auf 18 h Laufzeit in 54 h und erhalten das Tastverhältnis 18/54 = 0,33.
      • Das Energy Check 3000 zeigte 2,282 kWh an. Dieser Wert ist viel zu hoch. Richtig wären ca. 1,3 kWh.
Nochmal die Rohdaten im Überblick:

Was wird gemessen
Anzahl Umdrehungen der Zählerscheibe
Benötigte Zeit für die Umdrehungen (Sekunden)
Stromverbrauch aller aktiven Verbraucher mit Gefriertruhe
5
1.626
Stromverbrauch aller aktiven Verbraucher ohne Gefriertruhe 3
1.782

Mit den zählerspezifischen 75 Umdrehungen / kWh ergeben sich folgende durchschnittliche Leistungen:

  

Die Differenz aus Beiden ergibt die Leistung der Gefriertruhe:
P = 148W - 81W = 67W = 0,067 kW.


Über's Jahr (= 8760 h) ergibt sich damit folgende Energie:
W = 0,33 x 0,067 kW x 8760 h =

W = 194 kWh (Mittelwert)

Wenn man nicht mit den Mittelwerten rechnet, sondern pessimistischerweise für den Betrieb mit Gefriertruhe die kürzeste Umdrehung heranzieht, und für den
Betrieb ohne Gefriertruhe die längste Umdrehung heranzieht, dann ergibt sich statt 194 KWh W = 260 kWh (sehr pessimistisch).

Dieser Wert ist der denkbar ungünstigste Fall, der sich aus den Messdaten ableiten lässt. Wir nehmen die Mitte zwischen 194 kWh und 260 kWh, also

W = 227 kWh (pessimistisch)

Korrekturfaktor

Der Messzeitraum liegt Anfang August 2017. Zu dieser Zeit waren am Aufstellort der Truhe 20°C. Im Winter sind dort etwa 10°C. Auf's Jahr hochgerechnet wird also weniger als 227 kWh herauskommen, da die Temperaturdifferenz zwischen dem Inneren der Truhe und ihrer Umgebung im Jahresmittel niedriger ist als im Hochsommer.
Die mittlere Temperatur in der Truhe sei -22°C (durch Messungen hinreichend abgesichert). Die Temperaturdifferenz Innen - Aussen während der Messungen beträgt also Delta T = 20°C - (-22°C) = 42°C.
Dieselbe Rechnung für Winter liefert Delta T = 10°C - (-22°C) = 32°C. Im Jahresmittel ergibt sich also eine Temperaturdifferenz von (42-32)°C /2 = 37°C.
Auf's Jahr extrapoliert ergeben sich demnach 227 kWh x 37°C / 42°C =

200 kWh / Jahr (pessimistisch)

Wie die folgende, über mehr als 1 Jahr dauernde Messung zeigen wird, ist diese Abschätzung ziemlich nahe an den wirklichen Verhältnissen dran:

Messbeginn 1.8.2017, 12:00
Messende:  2.9.2018, 15:00
Messdauer: 9531 h
Laufzeit der Kühltruhe: 2670 h
Dies ergibt ein Tastverhältnis von 2670/9531 = 0,280.

Über's Jahr (= 8760 h) ergibt sich damit folgende Energie:
W = 0,280 x 0,067 kW x 8760 h =


W = 164 kWh

Diesen Wert muss man mit dem Wert 194 KWh von weiter oben vergleichen.
Wenn man wie weiter oben entsprechend den pessimistischen 227 KWh rechnet, dann ergibt sich statt 164 KWh

192 kWh / Jahr (pessimistisch)

Dies ist ein unter realen Verhältnissen, auf nachvollziehbare Weise gewonnener, sogar etwas pessimistisch gerechneter Messwert, und damit weitaus aussagefähiger als von Herstellern veröffentlichte Werte.

Neuwertige A+++ Gefriertruhen dieser Grösse (260 Liter, 7 oder 8 Körbe) werden stand 2017 mit 120 kWh/ Jahr beworben. Dieser Wert wird garantiert in keinem praktischen Fall erreicht. Dennoch sei er für einen Moment lang als zutreffend angenommen. Dann ergäbe sich durch den Kauf einer neuen Truhe eine Einsparung von 192 - 120 = 72 kWh/Jahr ~ 21 Euro / Stromkosten Jahr.
Bereits 14 Jahre sind - realistisch betrachtet- völlig inakzeptabel, ganz zu schweigen davon, dass das neue Gerät erst mal so lange ohne Defekt laufen muss.

Wer also ein intaktes Gefriergerät nur deshalb austauscht, um weniger Strom zu verbrauchen, der zahlt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit drauf.

Bei allen Betrachtungen wurde ein über Jahrzehnte konstanter Strompreis angenommen (Es ist nicht gesagt, dass der Strompreis über Jahrzehnte nur steigen muss). Es wurde aber auch ein sehr gutes altes Gerät mit einem neuen Mittelklassegerät verglichen. Ausserdem wurde ja angenommen, dass die Verbrauchsangaben von neuen Gefriergeräten nicht geschönt sind.


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