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Der Karlsruher Physikkurs


Fazit und Kritik des Verfassers

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Zusammenfassung

Altlasten der Physik
Analyse
Fazit
  Auf der vorhergehenden Seite wurden einige Altlasten der Physik genauer unter die Lupe genommen und kommentiert.
Weiterhin hat der Verfasser frei im Internet zugängliches Unterrichtsmaterial des KPK genauer analysiert. Auf eine ausführliche Darstellung wird hier verzichtet, allerdings fliessen die Erkenntnisse hier mit ein.

Auf dieser Seite werden das Fazit gezogen und die Gesamteindrücke beschrieben, die der Verfasser im Laufe seiner Analysen bekommen hat.


Hier nochmal das Gesamturteil der DPG über den KPK:


"Der KPK ist als Grundlage eines physikalischen Unterrichts ebenso ungeeignet wie als Leitlinie zur Formulierung physikalischer Lehr- oder Bildungspläne. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft rät mit allem Nachdruck davon ab, den KPK in der physikalischen Ausbildung zu verwenden."

 

Der Verfasser kommt zu folgendem Schluss:


Der KPK ist grundsätzlich nicht besser als die klassische Lehrweise. Die angeblichen Löcher die er zu stopfen versucht, reisst er an anderen Stellen wieder auf.
Aufgrund seiner Inkompatibilität mit der klassischen Lehrweise ist von der Anwendung des KPK unbedingt abzuraten.

Der entscheidende Fehler der KPK Autoren war wohl, bei der Entwicklung der Methodiken die etablierte Fachwelt nicht mit einbezogen zu haben. Das widerspricht an sich schon grundsätzlichen Verhaltensregeln, zumal es hier nicht nur um didaktischen Feinschliff, sondern um radikale Änderungen geht. Nebenbei erklärt es auch, warum die DPG erst so spät, 2013, reagiert hat.
Hätte man die Fachwelt rechtzeitig konsultiert, dann wäre es zwar zu den meisten Methodiken wohl erst gar nicht gekommen, aber man hätte dann die eine oder andere wirkliche Altlast aus der Lehre offiziell verbannen können. Nun aber droht ausgerechnet das zur Altlast zu werden, was sich einst angeschickt hat, selbige zu beseitigen.

Die DPG wirft dem KPK in ihrem Gutachten unter anderem vor, physikalische Fehler zu enthalten. Ob das tatsächlich so ist, wird vom Verfasser zwar bezweifelt, spielt aber für die Urteilsfindung keine Rolle. 

Wesentliche Kernpunkte des KPK sind die Bedeutung des Impulses und der Entropie. Beide können durchweg nicht überzeugen. Insbesondere wird die Entropie konsequent als "Wärme" bezeichnet, was zwangsläufig auf heftigen Widerstand stossen muss, da dieser Begriff bereits vergeben ist.
Aber auch andere Begrifflichkeiten, die es in der Fachwelt entweder nicht gibt oder die bis dato anders verwendet werden, stiften nur Verwirrung.
Konsequent mit dem KPK ausgebildete Schüler lernen quasi eine Sprache, deren Grammatik (entspricht den KPK Methoden) und Wortschatz (entspricht den KPK Begrifflichkeiten) einzigartig ist und die niemand sonst auf der Welt spricht. Normale fachliche Kommunikation wird dadurch erschwert, und all diejenigen, die nach der Schule mit Physik nicht mehr direkt zu tun haben, werden völlig abgehängt. 


Der KPK fusst auf methodischen Anleihen in universitären Lehrinhalten und schneidert sie für gymnasiales Verstehensniveau so zurecht, dass gebietsübergreifend der selbe Formalismus entsteht, mit einfachen Worten: Mathe wird über Physik gestellt. Ob dieser Formalismus auf gymnasialer Ebene tatsächlich physikalisch verstanden wird (und nicht nur mathematisch vordergründig), muss bezweifelt werden. Ausserdem  werden dadurch intuitiv naheliegende (und dabei physikalisch völlig richtige) Begrifflichkeiten und Denkweisen vollends aufgegeben.

Diese Anleihen kommen ausgerechnet aus der phänomenologischen Thermodynamik. Ausgerechnet deshalb, weil die phänomenologische Thermodynamik -vereinfacht gesagt- nur Phänomene, und nicht die "eigentliche" Physik dahinter behandelt. Wie Thermodynamik jedoch "richtig" funktioniert, lernt man dagegen erst in der statistischen Mechanik, und dort erst erschliesst sich z.B. auch die Entropie wie von selbst, sämtliche Erklärungskrücken wie z.B. Unordnung, Wärme, etc., werden nicht nur mit einem Schlag überflüssig, sondern es tun sich sogar Brücken auf z.B. in Richtung Informatik und Statistik: Auf einmal präsentiert sich die Entropie als etwas fachübergreifend Universelles. 


Dass der KPK von Schülern angeblich bevorzugt wird / sie leichter damit lernen, kann kein ernsthaftes Argument für den KPK sein, solange diejenige Fachgesellschaft (DPG), der man nach allgemeinem gesellschaftlichem Konsens die Hoheit über fachliche Inhalte zuspricht, (also letztlich die Fachwelt), in der stark überwiegenden Mehrheit den KPK für falsch hält.


Die bleibenden Gesamteindrücke des Verfassers sind folgende:


1. Manche Altlasten der Physik sind objektiv richtig, allerdings in keinem analysierten Fall gravierend.

Aus einigen hat der Verfasser etwas dazugelernt, und das dürfte auch den allermeisten hauptberuflichen Physikern so gehen.


2. Mathematischer Formalismus steht oft über physikalischem Gehalt (Für Nicht-Physiker: So etwas ist selten gut). 

Dies, und die Art und Weise, wie technologische Sachverhalte mit grundlegenden physikalischen Phänomenen verglichen werden, verleitet zu der Frage, ob die Autoren evtl. manche grundlegenden physikalischen Sachverhalte nicht ganz verstanden haben, bzw. das physikalische Gesamtgebäude erfasst haben.


3. Manche Altlasten der Physik wirken von oben herab oder anklagend formuliert. In Anderen scheinen längere komplizierte Formulierungen dafür verwendet zu werden, um zweifelhafte Behauptungen zu legitimieren. (Einfache Formulierungen sind auf jedem Verstehensniveau immer vorzuziehen). Wiederum andere Altlasten der Physik enthalten erklärungsbedürftige Behauptungen ohne weitere Begründung.

Insgesamt könnte man das so auslegen, als wolle man den Altlasten der Physik einen Anstrich geben, der bei Nichtwissenschaftlern einen wissenschaftlichen Eindruck erweckt. 


4. Im Grossen und Ganzen hat es den Eindruck von didaktischem Wildwuchs wie z.B. Mengenlehre in der Grundschule im Fach Mathematik Mitte der 1970er Jahre.


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