Statistik, Zuverlässigkeit, Qualitätsmanagement

ISO 9001:2000 und ISO 9004:2000 .

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Diese Seite enthält die Abschnitte 

  1. Was ist ein Qualitätsmanagement System? 

  2. Das Normenpaar ISO 9001:2000 und ISO 9004:2000 

  3. Erklärungen einiger Normbegriffe.

 

1. Was ist ein Qualitätsmanagement System?

 

 

Jedes länger am Markt bestehende Unternehmen verfügt über ein funktionierendes

Qualitätsmanagement System.

 

Der Begriff Qualitätsmanagement System beinhaltet alle geplanten Prozesse, Tätigkeiten, Dokumente, usw.eines Unternehmens, die zur Erfüllung / Erhöhung der Kundenzufriedenheit notwendig sind.

Da die Erhöhung der Kundenzufriedenheit den Treiber schlechthin zum Gewinn-Erwirtschaften darstellt, ist der Begriff Qualitätsmanagement System Synonym für alles Geplante, was das gute Funktionieren eines Unternehmens überhaupt ausmacht.

 

Im einfachsten Fall existiert dieses System unbewusst in den Köpfen der Mitarbeiter,

ist kaum dokumentiert und oft ziemlich anfällig beispielsweise gegenüber:

  • sich ändernden Marktbedingungen

  • Fluktuationen von Mitarbeitern

  • äusseren Einflüssen

  • Änderung von Kundenanforderungen

  • Gesetzesänderungen, behördliche Änderungen,

  • Änderungen der wirtschaftlichen Lage,

  • höherer Gewalt.

Zudem hat man als Aussenstehender bei einem derart "einfachen"  System verständlicherweise weniger Vertrauen, dass alle dem Unternehmen prinzipiell zur Verfügung stehenden Mittel zur Gewinnerwirtschaftung optimal ausgenutzt werden.

 

Im "reiferen" Fall wird dieses System von den Mitarbeitern des Unternehmens "gelebt",

es existiert im Bewusstsein der Mitarbeiter, insbesondere der Unternehmensführung,

ist hinreichend dokumentiert und bekannt gemacht, und somit weniger anfällig auf oben genannte  Einflüsse. 

 

In der Praxis findet man "reifere" Qualitätsmanagement Systeme tendenziell eher bei grösseren, "komplexen" Unternehmen.

Ein Grund liegt darin, dass bei komplexen Unternehmen "einfache"  Qualitätsmanagement Systeme nicht einmal zur reinen Lebenserhaltung ausreichen würden.

Anders formuliert:

Bei kleinen Unternehmen, insbesondere mit überschaubarer Produktkomplexität erweist sich

ein "unreifes" Qualitätsmanagement System nicht so schnell als hinderlich.

 

Wann immer von Reifegraden von Unternehmen bzw. deren Qualitätsmanagement System gesprochen wird, ist stets die Fähigkeit gemeint, unter den gegebenen Umständen grösstmöglichen Nutzen zu erwirtschaften.

Die damit einhergehenden ethischen und sozialen Gesichtspunkte sind sowohl Voraussetzungen als auch und Mittel zu diesem Zweck.

 

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2. Das Normenpaar ISO 9001:2000 und ISO 9004:2000

 

 

Beide Normen ISO 9001:2000 und ISO 9004:2000 behandeln das Qualitätsmanagement von Unternehmen.

Die Normen wurden als Vorschlag eines "idealen" Modells für ein Qualitätsmanagement System entwickelt, sind aber durch ihre inzwischen grosse Verbreitung zum globalen Standard in vielen Branchen geworden.

 

Beim Durchlesen der beiden Normen wird man immer wieder feststellen, dass die Forderungen kaum über das hinausgehen, was man mit dem "gesunden, betrieblich erfahrenen Menschenverstand" ohnehin fordern würde.

Die Kunst liegt aber darin, als Unternehmen an all diese Punkte zum richtigen Zeitpunkt auch wirklich zu denken.

 

Da in einigen Branchen das "ideale Mindestmodell" ISO 9001:2000 nicht (mehr) als ausreichend betrachtet wird (die ISO 9004:2000 ist ja "nur" ein Leitfaden, kann also nicht vorgeschrieben werden), ist man dazu übergegangen, branchenspezifische  Spezialnormen zu entwickeln, die oft auf der ISO 9001:2000 aufbauen und teilweise sogar enthalten.

Diese Spezialnormen sind dann natürlich in ihrem Anwendungsgebiet begrenzt.

 

Die beiden Normen ISO 9001:2000 und ISO 9004:2000 sind durch ihren generischen Charakter

auf jede erdenkliche Art von Unternehmen anwendbar.

Firmen- und branchenspezifische Einschränkungen sind nur bezüglich Teilen des Kapitel 7, Produktrealisierung, erlaubt. 

 

In folgender Tabelle sind wichtige Unterschiede der beiden Normen gegenübergestellt.

 

ISO 9001:2000 ISO 9004:2000
  • Ist (gemessen an der Anzahl Worte) wesentlich kürzer
  • enthält verbindliche Forderungen an ein Qualitätsmanagement System
  • richtet den Fokus auf Produktqualität und Kundenzufriedenkeit
  • ist Grundlage für Zertifizierungen
  • Ist (gemessen an der Anzahl Worte) wesentlich länger
  • beschreibt Möglichkeiten, wie man die Forderungen der ISO 9001:2000 realisieren kann
  • verallgemeinert und übertrifft die Forderungen der ISO 9001:2000
  • darf nicht im Rahmen von Zertifizierungen verwendet werden

 

 

Während die ISO 9001:2000 also als ein Minimalkatalog von Forderungen an ein zeitgemässes Qualitätsmanagement System angesehen werden kann, richtet sich die ISO 9004:2000 an

"reifere" Unternehmen, die (freiwillig, also ohne expliziten Druck von aussen) ihre Leistung verbessern möchten.

 

Allein schon die Kapitelübersicht  macht den höheren Reifegrad der ISO 9004:2000 gegenüber der ISO 9001:2000 deutlich.

Die unten stehende Begriffstabelle gibt ebenfalls ein Gefühl für den höheren Reifegrad der ISO 9004:2000.

 

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3. Einige wichtige Begriffe, die oft für Verwirrung sorgen

 

 

 

Begriff ISO 9001:2000 ISO 9004:2000
Oberste Leitung

Hier ist stets und ausschliesslich die alleroberste Geschäftsführung gemeint,

also diejenige Hierarchieebene,

die innerhalb eines Unternehmens keine weitere Hierarchieebene mehr über sich hat.

Sie ist haupsächlich für alle Aspekte der Unternehmenskultur,

Visionen und Zielvorgaben, verantwortlich.

Leitung

Hier sind diejenigen Hierarchieebenen gemeint,

die für die jeweils behandelten Aspekte die Verantwortung tragen.

Typischerweise sind dies - je nach Unternehmensgrösse- die oberste Leitung selbst, Standortleitung, Bereichsleitung, Hauptabteilungsleitung, Abteilungsleitung, Meisterebene.

Qualitätsmanagement-System

Alle geplanten Prozesse, Tätigkeiten, Dokumente,.....

eines Unternehmens, die zur Erfüllung / Erhöhung der Kundenzufriedenheit notwendig sind.

Qualitätsmanagement Handbuch

Typischerweise ein ca. 10 bis 50 DIN-A4 -seitiges Dokument,

in dem die wichtigsten Prozesse des Unternehmens, deren Interaktionen,

sowie Verweise auf deren Verfahrensanweisungen beschrieben sind. 

Dieses Handbuch gilt als Nachweis für das generelle Vorhandensein eines Qualitätsmanagement-Systems

Qualitäts-Politik

Eine etwa 1 DIN-A4 seitige Darstellung des Selbstverständnisses des Unternehmens bezüglich Qualität. Idealerweise sollten Qualitäts-Politiken so verfasst sein,

dass daraus operative Qualitätsziele entwickelt werden können.

Qualitätsmanagement-Grundsätze ---

8 Grundsätze, die ein erfolgreiches Qualitätsmanagement System ausmachen:

1)
Kundenorientierung:
Die Anforderungen der Kunden sollte verstanden sein, da man ja von ihnen abhängt. Man sollte versuchen, deren Erwartungen zu übertreffen.
2)
Führung:
Schaffung eines Unternehmensumfeldes, in dem sich die Mitarbeiter für die Erreichung der Unternehmensziele voll einsetzen können.
3)
Einbeziehung von Personen:
Deren Fähigkeiten dienen auf allen Unterenehmensebenen zum Nutzen des Unternehmens.
4)
Prozessorientierte (anstelle abteilungsorientierter) Sichtweise:
Damit lassen sich gewünschte Ergebnisse effizienter erreichen.
5)
Systemorientierter Managementansatz:
Miteinander in Wechselbeziehung stehende Prozesse als solche zu verstehen und als Ganzes lenken.
->Bessere Ergebnisse
6)
Ständige Verbesserung als permanentes Ziel.
7)
Entscheidungsfindungen immer auf Basis von Datenanalyse und Informationen.
8)
Lieferantenbeziehungen zum gegenseitigen Nutzen:
--> Die Möglichkeiten der Wertschöpfung werden auf beiden Seiten erhöht.

Qualitätsmanagement-Beauftragter Abgekürzt mit QMB. 

Der QMB ist eine Funktion, die für die Überwachung und Weiterentwicklung des Qualitätsmanagement Systems verantwortlich ist und in dieser Funktion direkt an die oberste Geschäftsleitung/Bereichsleitung berichtet. 

Diese Funktion wird in aller Regel von Personen wahrgenommen, die mit anderen betrieblichen Aufgaben betraut sind, für die Ausübung ihrer Rolle als QMB jedoch teilweise freigestellt sind.

Audit lat: er/sie/es hört. 

Audits sind ein Instrument um festzustellen, ob Die Forderungen der Norm ISO 9001:2000 erfüllt werden. 

Die Auditierten (mindestens einer) erklären ihr "Tun" bezüglich eines vorher festgelegten Themas. 

Die Auditoren (typischerweise 2, einer fragt und hört zu, der andere schreibt mit und hört zu) bewerten dies hinsichtlich der ISO 9001:2000 Forderungen. 

Es ist sehr wichtig, dass Audits in einer offenen Atmosphäre stattfinden, denn so ist am besten gewährleistet, dass der Sinn eines Audits vor allem von den Auditierten verstanden wird als eine Hilfe zur Verbesserung der täglichen Arbeit. 

Die Feststellungen von Abweichungen oder Unzulänglichkeiten darf keineswegs dazu führen, dass die Auditierten sich entblösst fühlen. 

Man teilt Audits in 3 Kategorien ein: 

  1. First Party Audit: Mitarbeiter der Firma A auditieren Mitarbeiter der selben Firma. 

  2. Second Party Audit: Mitarbeiter der Firma A auditieren Mitarbeiter der Firma B. Am Häufigsten werden Lieferanten von Abnehmern auditiert (Der Abnehmer ist ja Kunde) 

  3. Third Party Audit: Eine Zertifizierungsgesellschaft (also eine unabhängige dritte Partei) auditiert eine Firma. Dies geschieht für ISO 9001:2000-zertifizierte Firmen typischerweise 1 Mal/Jahr.

   
Kunde Derjenige (ausserhalb des Unternehmens), der das hergestellte Produkt erhält/ an dem die Dienstleistung erbracht wird. Jeder innerhalb und ausserhalb des Unternehmens, der ein (Teil-) Produkt / eine (Teil-) Dienstleistung erhält.
Interessierte Partei ---

Alle Institutionen (einschliesslich Kunden), die ein Interesse am Produkt, der Art und Weise wie es hergestellt wird, sowie sonstigen  Nebenbedingungen haben. 

Beispiele:

  • Kunden

  • Mitarbeiter des Unternehmens

  • Aktionäre des Unternehmnens

  • Eigentümer des Unternehmens

  • Anwohner des Unternehmens

  • Betriebsräte

  • Gewerkschaften

  • Arbeitgeberverbände

  • Gesetzgeber, Behörden

  • Krankenkassen

  • Zertifizierungsstellen

  • usw.

 

festlegen, einführen, aufrechterhalten,

Oft ist die Rede davon, dass ein Prozess o.Ä.

festgelegt, eingeführt und aufrechterhalten werden muss.

Diese Formulierung stellt sicher, dass dieser Prozess

  • nicht einfach nur historisch gewachsen ist (festgelegt),

  • offiziellen Status hat (eingeführt),

  • nicht einschläft,gepflegt und bei Bedarf angepasst wird (aufrechterhalten)

Wertschöpfender Prozess

 

Wird in ISO 9001:2000

nicht unterschieden

 

Die ISO 9004:2000 unterscheidet deshalb, weil:

  • die Vernachlässigung beider Prozessarten völlig unterschiedliche Phänomene nach sich zieht,

  • die Verbesserung beider Prozessarten völlig unterschiedliche Ansätze erfordert.

Prozesse, Tätigkeiten, die unmittelbar mit Wertzuwachs verbunden sind.

Typischerweise sind darunter sämtliche Arbeitsschritte in Produktionsumgebungen enthalten, bzw. sämtliche Dienstleistungen, die unmittelbar einen geldwerten Vorteil erbringen.

Unterstützender Prozess Prozesse und Tätigkeiten, die nicht unmittelbar Mehrwert schaffen, aber notwendig sind, die wertschöpfenden Prozesse am Laufen zu halten, bzw. den erreichten Wertzuwachs zu sichern.

Typischerweise fallen darunter sämtliche Kontrolltätigkeiten, Logistik, Tätigkeiten zur Erhaltung der Infrastruktur, Personalwesen, Kantine, usw.

Vorbeugemassnahmen

Massnahmen zur Vermeidung von MÖGLICHEN, also noch nicht eingetretenen (wohl aber erkannten) Fehlern.

Hierunter fallen jegliche geplante Kontrollen, insbesondere Wareneingangskontrollen, jegliche Art systematischer (Risiko oder Fehler-) Analyse VOR dem Eintreten diesbezüglicher Fehler.

Korrekturmassnahmen Massnahmen zur Behebung bereits aufgetretener Fehler.
Verifizierung Der Nachweis, dass ein (Teil-) Produkt / eine (Teil-) Dienstleistung den Spezifikationen entspricht.

Verifizierung bedeutet noch nicht "Einsatz unter realen Bedingungen", sondern "nur" den Nachweis, dass alle Masse und Daten den Plänen entsprechen.

Validierung Der Nachweis, dass ein Produkt während seines Betriebs / eine Dienstleistung während ihrer Erbringung die Anforderungen erfüllt.

Validierung bedeutet Test unter realen Bedingungen und kommt nach Verifizierung.

Bei fehlgeschlagener Verifizierung braucht man eine Validierung erst gar nicht zu erwägen.

Wirksamkeit Eine Massnahme ist wirksam, wenn sie den beabsichtigten Zweck nachweislich erfüllt.
Effizienz Eine Massnahme ist effizient, wenn sie den beabsichtigten Zweck mit vertretbarem Aufwand erfüllt.
Erfordernisse   Explizit ausgesprochene, einklagbare, (rechtlich) verbindliche, dokumentierte Anforderungen
Erwartungen   Unausgesprochene, für selbstverständlich erachtete Anforderungen

 

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Letzte Änderung 31.12.2004