Einführung
von SPC in Prozesse
Eine kurze Einführung in SPC
Für
eine genauere Beschreibung der Funktionsweise von SPC siehe
hier.
SPC (Statistical Process Control) bedeutet korrekt übersetzt
"Statistische Prozessregelung", oder "Statistische
Prozesslenkung".
Statistisch deshalb, weil man bei der Prozessregelung bewusst ein
definiertes Risiko eingeht, falsche Entscheidungen zu treffen.
Aufgrund der Ergebnisse von regelmässig entnommenen Stichproben wird
immer wieder neu entschieden, ob in den laufenden Prozess eingegriffen
wird oder nicht.
Dabei sind die sogenannten Eingriffsgrenzen massgebend, welche
mit den eigentlichen Toleranzgrenzen zunächst NICHTS (!) zu tun haben.
Bevor man einen Prozess statistischer Prozessregelung unterwirft, muss
also sichergestellt sein, dass dessen Prozessergebnisse immer
"sicher" innerhalb der Toleranzgrenzen liegen.
Dies bewerkstelligt man mit einer sogenannten
Prozessfähigkeitsanalyse.
Bei einer Prozessfähigkeitsanalyse wird untersucht, "wie gut"
das Prozessergebnis innerhalb der Toleranzgrenzen liegt. Auf dieser
Grundlage wird dann die Entscheidung gefällt, ob der untersuchte Prozess
"fähig" ist, d.h.: ob er für die Anwendung von statistischer
Prozessregelung geeignet ist.
Unterwirft man schliesslich den Prozess statistischer Prozesslenkung, rückt die Bedeutung der Toleranzgrenzen
wieder in den
Hintergrund.
Aus den Ergebnissen der regelmässig entnommenen Stichproben folgt direkt,
ob eingegriffen werden muss oder nicht. Die Eingriffsgrenzen liegen ja
deutlich innerhalb der Toleranzgrenzen, was durch die
Prozessfähigkeitsanalyse (indirekt) sichergestellt worden ist.
Entscheidend, und für das Bedienpersonal i.d.R. sehr schwer verständlich,
ist, dass bei statistischer Prozesslenkung sehr oft ein Eingreifen
angesagt ist, obwohl der Prozess noch sicher innerhalb der
Toleranzgrenzen verläuft.
Dies liegt daran, dass -wie zuvor beschrieben- die Eingriffsgrenzen
innerhalb der Toleranzgrenzen liegen.
Bei statistischer Prozesslenkung wartet man nämlich nicht, bis der
Prozess deutlich in Richtung Toleranzgrenze weggelaufen ist, sondern man greift bereits vorher ein, und zwar genau dann, wenn er
mit einer definierten Wahrscheinlickeit (zB.>99%, oder >3s) bereits begonnen
haben könnte, wegzulaufen.
"Richtige" SPC erfüllt also folgende Kriterien:
Die Eingriffsgrenzen werden ausschliesslich aufgrund der Eigenschaften des Prozesses ermittelt, NICHT unter Zuhilfenahme der Toleranzgrenzen.
Wird dennoch von den Toleranzgrenzen ausgegangen (weil der Prozess einfach nicht fähig ist) dann kommen sogenannte Annahmekarten zur Anwendung.
Es werden kontinuierlich in festgelegten Zeitabständen Stichproben aus dem Prozess entnommen.
Die Stichproben müssen in jeder nur denkbaren Hinsicht Zufallscharakter haben.
Bei Überschreiten der Eingriffsgrenzen MUSS eingegriffen werden, unabhängig von den Toleranzgrenzen.
Ein Eingriff kann beispielsweise durch das Ziehen einer zweiten Stichprobe eingeleitet werden.
Was ist bei der Einführung von SPC besonders zu beachten?
Diejenigen Prozesse, bei denen SPC eingeführt werden soll, müssen von
Anfang an so gestaltet werden, dass sie eine Prozessfähigkeitsanalyse
bestehen.
Bei Prozessen, die nachträglich SPC unterworfen werden sollen, wird man
in der Regel enttäuscht, insbesondere dann, wenn beim Prozessaufbau nicht genug Verständnis bezüglich SPC vorhanden
war (der überwiegende Normalfall).
SPC bedeutet den Abschied vom althergebrachten Gut/Schlecht
Toleranzdenken.
Auschuss wird nicht mehr in Prozent oder Promille gemessen, sondern in
"ppm" ("Parts per Million")
Da unterschiedliche Technologien unterschiedliche technische Reifegrade
haben und somit unterschiedlich "fähige" Prozesse aufweisen,
ist die erfolgreiche Anwendung von SPC zwangsläufig technologieabhängig.
SPC ist besonders verbreitet in der Halbleiter- und der Metallindustrie.
Prozesse mit starkem manuellen Anteil sind in der Regel für SPC völlig ungeeignet.
Überwiegender Vollautomatismus ist eine notwendige Bedingung für SPC, freilich jedoch nicht hinreichend.
Für eine genauere Beschreibung der Funktionsweise von SPC siehe hier.
Für diverse Begriffserklärungen rund um SPC siehe hier.
Siehe auch
Six Sigma.
Letzte Änderung 16.07.2006